Herstellung des
Harz-Ansatzes

Gießverfahren

Handauflegeverfahren

Entformen

Nachhärtung,
Tempern, Endhärte

Nachbearbeitung
und Verbindung
von Einzelteilen

Formen / Trennmittel

Mechanische, chemische, thermische, elektrische Eigenschaften

Physiologische
Eigenschaften Vorsichtsmaßnahmen
Lagerung

Härtungssysteme

Zusatzstoffe, Verdünnungsmittel

Harzverbrauch

Das Handauflegeverfahren

Einführung

 

Feinschicht

Zuschneiden der Gewebelagen und Verarbeitung

Vermeidung von Lufteinschlüssen

Negativform oder Positivform ?

Festigkeit des Laminates

Großflächige, glattwandige Werkstücke

Reinigung der Arbeitsgeräte

Werkstücke mit komplizierter Formgebung

Glasseidenarten

Mehrfarbige, dekorative Oberflächengestaltung


Einführung
Nach diesem Verfahren werden alle flächigen, dünnwandigen Polyesterteile hergestellt, bei denen höchste mechanische Festigkeit gefordert wird.
Deshalb wird bei diesem Verfahren das Harz mit Glasseide verstärkt. Die Glasgewebe werden Schicht für Schicht mit der Hand aufgelegt und mit Hilfe eines Pinsels oder einer Lammfellwalze mit Harz durchtränkt. Diesen Polyester-Glasseiden-Schichtstoff bezeichnet man als Laminat.

Wie beim Gießverfahren ist auch beim Handauflegeverfahren eine Form erforderlich. Für glattwandige, plane oder einseitig gewölbte Flächen haben sich Hartfaserplatten, Resopal o. ä. und Blech als Formenmaterial bestens bewährt, während Holz und Gips hauptsächlich für kompliziertere Formen in Frage kommen. Das gründliche Behandeln mit Trennmitteln ist besonders bei großflächigen Formen für ein einwandfreies Entformen ausschlaggebend.

Feinschicht
Zur Verbesserung der Oberflächenglätte sowie zum Schutz des Laminates gegen mechanische und chemische Einflüsse wird in der Regel zuerst eine sogenannte Feinschicht (Gelcoat) aufgetragen.
Dies ist eine Schicht aus (meist eingefärbtem) Polyesterharz ohne Glasfaserverstärkung, die die Aufgabe hat, die tragenden Glasfaserschichten von der Oberfläche zu isolieren und zu schützen.

Ein ungeschütztes Laminat, bei dem die Glasfasern direkt an der Oberfläche liegen, ist auf die Dauer weder gegen Witterungseinflüsse noch gegen Wasser oder Chemikalien beständig. Obwohl zwar Harz und Glasfasern für sich genommen eine gute Beständigkeit besitzen, ist der Glasfaser-Harz-Verbund relativ empfindlich. Durch die Verschiedenartigkeit von Kunstharz und Glas entstehen zwischen den Glasfasern und dem Harz feinste Kapillaren, in die Wasser oder Chemikalien eindringen und so den Verbund von Glasfaser und Harz schwächen bzw. zerstören können. Im Laufe der Zeit wittern die Glasfasern, die an der Oberfläche liegen, heraus, und die Festigkeiten nehmen ab.

Deshalb müssen Polyesterteile, die der Witterung, dem Wasser oder Chemikalien ausgesetzt werden, unbedingt mit einer Feinschicht ausgestattet werden.

An die Feinschicht werden besondere Anforderungen gestellt. Sie soll chemikalienbeständig, schlagzäh und elastisch sein, damit in der unverstärkten Schicht beim Durchbiegen des Laminates keine Haarrisse entstehen können. Das Feinschichtharz muß ferner thixotrop (tropffrei) sein, damit es nicht an senkrechten Flächen abläuft und muß rasch härten, da sonst u. U. die Aushärtung in der dünnen Schicht stecken bleibt (einfriert). Alle diese Bedingungen erfüllt unser Feinschichtharz Gelcoat.

Dieses Polyester-Feinschichtharz können Sie nach Bedarf durch Zusatz von Füllstoffen thixotropieren oder mit Styrol verdünnen.

Diesem Harz werden vor der Verarbeitung ca. 10 % einer unserer Farbpasten beigegeben, die sich alle miteinander mischen lassen, so daß praktisch jeder beliebige Farbton erzielt werden kann.
Wir bieten Gelcoat aber auch bereits in verschiedenen RAL-Farben eingefärbt an.
Anschließend gibt man dem Feinschichtharz ca. 2 - 4 % Härter zu, verrührt gut und trägt das Harz mit einem breiten, weichen Flachpinsel
satt auf.

Das Feinschichtharz darf nicht zu dünn aufgetragen oder wie ein Lack auseinandergestrichen werden, da eine zu dünne Schicht nicht einwandfrei durchhärten kann. Die Schichtstärke sollte zwischen 0,3 und 0,6 mm liegen. Im allgemeinen rechnet man mt einem Harzverbrauch von 0,5 kg/qm, was etwa 0,4 mm Schichtstärke entspricht.


Vor dem Auftragen der glasfaserverstärkten Schichten muß die Feinschicht gut angehärtet sein, damit sich die Glasgewebe nicht durch die weiche Feinschicht durchdrücken.

Nach ca. 6 Std. bei Raumtemperatur ist die Feinschicht im allgemeinen so weit durchgehärtet, daß mit dem Aufbau der tragenden Schichten begonnen werden kann. Selbst bei völliger Durchhärtung der Feinschicht ist die der Form abgewandte Oberfläche noch leicht klebrig, so daß die neu aufgetragenen Schichten sich homogen mit der Feinschicht verbinden. Eine längere Wartezeit als 12 bis 15 Std. ist allerdings nicht zu empfehlen.

Vermeidung von Lufteinschlüssen
Ist die Feinschicht genügend durchgehärtet, wird eine Lage Glasgewebe oder Glasmatte aufgelegt und mit Hilfe eines Pinsels oder einer Lammfellwalze mit Laminierharz durchtränkt.

Durch kräftiges Tupfen (nicht Streichen !) mit dem in den Harzansatz getauchten Pinsel bzw. durch Walzen mit der Lammfellwalze wird die Glasseide vollständig mit Harz benetzt und die eingeschlossenen Luftblasen werden herausgedrückt.
Das Beseitigen der Luftblasen ist äußerst wichtig, da sonst Hohlstellen entstehen, die die Festigkeit des Laminates herabsetzen. Besonders bei der ersten Lage sind Lufteinschlüsse zu vermeiden, da anderenfalls die Feinschicht u. U. stellenweise nach dem Entformen eingedrückt werden kann.

Bei diesem Vorgang der vollständigen Durchtränkung der Gewebe und der Beseitigung aller Lufteinschlüsse hat man eine optische Kontrolle:
Luftblasen sind im klaren Harz vor dem farbigen Hintergrund der Feinschicht deutlich zu erkennen. Die im trockenen Zustand weißen Glasgewebe werden beim Durchtränken durchsichtig. Weiße Stellen weisen darauf hin, daß hier die Glasseide noch nicht genügend durchtränkt ist. Deshalb ist es besonders für den Unerfahrenen ratsam, mit klarem, uneingefärbten Harz die Gewebe zu durchtränken und nur die Feinschicht einzufärben.

Festigkeit des Laminates
Ist die erste Glasseidenschicht vollständig durchtränkt, wird eine weitere Lage aufgelegt und mit Harz durchtränkt. Man braucht also nicht zu warten, bis die erste Lage angehärtet ist, sondern kann in einem Arbeitsgang "naß in naß" bis zur gewünschten Stärke weiterverarbeiten.
Dabei vermeide man, mehr Harz als notwendig aufzutragen, da harzreiche Stellen die Festigkeit und Elastizität des Laminates herabsetzen. Die höchste Festigkeit wird bei einem sehr hohen Glasgehalt und nur geringem Harzanteil erreicht. Deshalb ist auch die Verwendung einer Lammfellwalze gegenüber dem Pinsel von Vorteil, da man mit ihr nicht nur größere Flächen weitaus rationeller durchtränken kan, sondern auch einen höheren Druck auf die Gewebe ausüben und so eine höhere Glaskonzentration erreichen kann. Der Pinsel (am besten eignen sich relativ harte Rundpinsel) ist jedoch zum Durchtränken bei komplizierten Formen, Ecken und kleinen Vertiefungen unentbehrlich. Zum Entfernen der Lufteinschlüsse sind allerdings spezielle Entlüftungswalzen noch besser geeignet als Lammfellwalzen oder Pinsel:
Für dickere, mit Glasmatte verstärkte Laminate haben sich Metallscheibenroller, mit denen man einen hohen Druck ausüben kann, besonders bewährt, während für dünnere, mit Glasgeweben verstärkte Laminate Perlon-Plüsch-Walzen geeigneter sind. Diese Entlüftungswalzen lassen sich aber zum Harzauftragen nicht verwenden; zum Auftragen benutzt man daher immer Pinsel oder Lammfellwalzen.

Reinigung der Arbeitsgeräte
Alle Arbeitsgeräte müssen spätestens beim Gelieren des Harzes in Polyester-Reiniger ausgewaschen werden. Hartgewordene Pinsel oder Walzen sind nicht mehr verwendbar. Die ausgewaschenen Pinsel oder Walzen müssen vor dem Weiterarbeiten gut ausgeschlagen und möglichst getrocknet werden, da selbst geringe Reinigerreste zu Blasenbildung im Laminat führen können. Zu beachten ist ferner, daß das Harz, wenn es im Ansatztopf zu gelieren beginnt, nicht mehr zum Auftragen und Duchtränken der Gewebe zu verwenden ist.

Meistens geliert das Harz im Topf etws früher als auf der Form, so daß man noch etwas Zeit hat, das bereits aufgetragenen Harz gut zu verarbeiten. Eingeschlossene Luftblasen lassen sich nämlich nach der Gelierung nicht mehr entfernen.

Glasseidenarten
Die zur Verstärkung dienende Glasseide gibt es in verschiedenen Ausführungen:
Als Glasseidenstränge (sogenannte Rovings), Glasseidenmatten, Glasseidengewebe und Glasseidenvliese.
Zur Verstärkung von Laminaten kommen in erster Linie Glasseidengewebe und Glasseidenmatten in Betracht.


Glasgewebe 80 gr / qm
Leinwandgewebe
Reißlast ca. 17 kg / cm

Glasgewebe 163 gr / qm
Köpergewebe, tiefziehbar
Reißlast ca. 17 kg / cm

Glasgewebe 390 gr / qm
Köpergewebe, tiefziehbar
Reißlast ca. 80 kg / cm
Glasseidenmatte
450 gr / qm
Reißlast ca. 100 kg / cm
Rovinggewebe 660 gr / qm
Leinwandgewebe
Reißlast:
Kette 90 kg / cm
Schuß 180 kg / cm
Rovinggewebe 660 gr / qm
Köpergewebe
Reißlast:
Kette 180 kg / cm
Schuß 180 kg / cm


Glasseidengewebe werden aus mehr oder weniger feinen Glasfäden in verschiedenen von der Textilindustrie her bekannten Bindungsarten hergestellt. Am gebräuchlichsten sind Gewebe in Leinwand- oder Köperbindung. Köpergewebe sind tiefziehbar, passen sich also auch relativ komplizierten Formen und Rundungen faltenlos an, während Leinwandgewebe bei Rundungen eingeschnitten werden müsen. Bei manchen speziellen Glasgeweben sind die Fäden in Längs- oder Querrichtung (Kett- und Schußfäden) verschieden stark, so daß die stärkeren Fäden in die Hauptbeanspruchungsrichtung gelegt werden können. Liegt in Sonderfällen die Beanspruchung in nur einer Richtung, so werden Rovingstränge (Glasseidenstränge von ca. 5 mm Breite) zur Vrstärkung herangezogen. Aus unteteilten Rovingsträngen werden die sehr groben Rovinggewebe hergestellt, die nur zur Verstärkung dickerer Laminate (z. B. Boote) dienen.

Glasseidenmatten bestehen aus einzelnen ca. 3,5 cm langen Glasfasern, die, kreuz und quer durcheinanderliegend, gepreßt und mit einem löslichen Binder zusammengehalten werden. Nach dem Durchtränken löst sich der Binder auf und die Matte paßt sich auch Rundungen (nicht jedoch scharfen Kanten und Ecken) gut an. Infolge der Richtungslosigkeit der Glasfasern haben mit Glasmatten verstärkte Laminate in jeder Richtung die gleiche Festigkeit. Die mit am häufigsten von unseren Kunden verwendete Matte ist die mit 300 gr/qm , 450 gr/qm und
600 gr/qm.
Es gibt diese Matte auch spinngeteilt. Bei spinngeteilten Matten sind die einzelnen Fasern nur etwa halb so dick wie bei normalen Matten. Daher ergeben spinngeteilte Matten eine wesentlich glattere Oberfläche als normale Matten, sind allerdings auch dicker und saugen mehr Harz auf, so daß keine so hohe Glaskonzentration erzielt werden kann wie bei normalen Matten. In den meisten Fällen, vor allem dann, wenn es auf hohe Festigkeiten ankommt, wird man daher normale Matten verwenden.
Spinngeteilte Matten dagegen eignen sich besonders für Beschichtungen und für Laminate, bei denen es nicht so sehr auf Festigkeit als auf Steifigkeit ankommt (z. B. bei Verkleidungsplatten, Formen u. ä.).


Glasseidenvliese sind dünne Vliese aus Spezialglas. Sie dienen vorwiegend zur Verbesserung der Oberflächenqualität von Laminaten, die ohne Feinschicht gearbeitet werden, ferner für Reparaturzwecke sowie für Dekorationsartikel (z. B. Lampenschirme).

Für die meisten über 1 mm starken Laminate werden Glasmatten vrewendet, da sie sich gut verarbeiten lassen und im Vergleich zu den Geweben wirtschaftlicher sind. Eine Lage Matte 450 gr/qm ergibt eine Laminatstärke von ca. 1 - 1,2 mm, eine Lage Matte 300 gr/qm ca. 0,8 mm.
Höhere Festigkeitswerte werden jedoch mit Geweben erreicht, da durch die Gewebebindung die Fasern dichter zusammenliegen und so eine höhere Glaskonzentration erreicht werden kann. Gewebe liefern wir in Stärken von ca. 0,1 mm (80 gr/qm), 0,2 mm (163 gr/qm), 0,3 mm (280gr /qm) und 0,5 mm (390 gr/qm). 80, 163 und 280 sind Leinwandbindungen, die
bei Rundungen eingeschnitten werden müssen, in Köperbindung gewebt und daher tiefziehbar haben wir 280 und 390. Das feine 80er Gewebe findet meist nur zum Beschichten Verwendung, da es für Laminate zu dünn ist, während die beiden stärkeren Glasseidengewebe in Köperbindung auch für dünnwandige Laminate höchster Festigkeit in Frage kommen.

Eine Sonderstellung nehmen die groben
Rovinggewebe (wir bieten 580 gr/qm oder 900 gr/qm an) ein, die vorwiegend für Laminate ab 3 mm Wandstärke, bei denen die Festigkeit der Matte nicht ausreichen würde, verwendet werden. Diese Gewebe werden praktisch nie allein verwandt, sondern immer nur in Kombination mit der Matte. Dabei wird als erste Lage eine Glasmatte verwendet, da sie eine glattere Oberfläche ergibt. Anschließend folgen abwechselnd Rovinggewebe und Matte, bis die gewünschte Stärke erreicht ist. Besonders im Bootsbau hat sich diese Kombination bestens bewährt. Aber auch bei dünneren Laminaten ist eine Kombination von Glasgeweben mit Matten mehr zu empfehlen als die ausschließliche Verwendung von Glasgeweben, da mehrere Lagen Glasgewebe ohne Mattenzwischenlagen zum Delaminieren neigen, d. h., daß die einzelnen Lagen sich bei hoher Beanspruchung voneinander lösen können!

Beim Aufbau eines Laminates muß man ferner die Tatsache in Betracht ziehen, daß die äußere und innere Schicht am stärksten beansprucht werden. Darum ist es zu empfehlen, den Laminataufbau statt mit Matte mit einer Lage Glasseide 163 gr/qm zu beginnen; als letzte Lage sind entweder ein Glasgewebe oder eine Lage Rovinggewebe (bei höchster Beanspruchung) zu empfehlen.

Ferner ist zu beachten, daß für die erste Lage keine groben Gewebe (etwa die 390 gr/qm schwere Glasseide oder gar Rovinggewebe) oder die normale (nicht-spinngeteilte) Matte verwendet werden, da sonst die Gewebe- bzw. Mattenstruktur später auf der Feinschicht zu erkennen ist. Am besten ist für die erste Lage das Glasgewebe 163 gr/qm geeignet, bei weniger hohen Ansprüchen an die Festigkeit kann auch eine spinngeteilte Matte verwendet werden.


Zuschneiden der Gewebelagen und Verarbeitung
Die Gewebe- oder Mattenlagen sind vor dem Beginn der Arbeit der Form entsprechend mit einer Schere zurechtzuschneiden. Beim Auslegen der Formen lassen sich oft Nahtstellen nicht vermeiden. An diesen Nahtstellen muß das Gewebe 5 - 10 cm überlappt aufgelegt werden; bei kleineren Laminaten genügen 1 - 2 cm. Nur so erhält die Überlappungsstelle die gleiche Festigkeit wie das übrige Laminat. Die durch die Überlappung entstandenen Unebenheiten können nach Fertigstellung des Laminates mit Glasfaserklebeharz ausgeglichen werden.
Man achte darauf, daß bei mehreren Lagen die Überlappungen nicht an ein und derselben Stelle auftreten, sondern gleichmäßig über die ganze Fläche verteilt sind. Bei Verwendung von Glasmatten können Unebenheiten an den Überlappungsstellen vermieden werden, indem man die Matte nicht schneidet, sondern reißt bzw. geschnittene Ränder mit einer Drahtbürste o. ä. ausfranselt. Auf diese Weise entsteht eine Überlappung, die im Schnitt etwa wie eine Schäftung aussieht.

Negativform oder Positivform?
Beim Handauflegeverfahren läßt sich nicht vermeiden, daß die Rückseite des Laminates, also die der Form abgekehrte Seite, in der Oberflächenbeschaffenheit weitgehend der Gewebestruktur entspricht.
Deshalb ist beim Formenbau unbedingt darauf zu achten, daß die Außenfläche des Laminates, die ja meistens glatt und gut aussehend sein soll auf der Innenseite der Form hergestellt wird. Bei allen Formkörpern, deren Außenhaut glatt sein soll bzw. genau die Struktur und das Aussehen des Formenmaterials haben soll (z. B. bei Booten), arbeitet man daher in einer sogeannten Negativform. Behälter, Rohre usw. werden dagegen meistens über einer Positivform (Formkern) hergestellt. In manchen Fällen wird die etwas rauhe und leicht klebrige Beschaffenheit der Rückseite nicht stören, z. B. wenn sie durch Verkleidungen verdeckt wird. Außerdem ermöglicht diese schwach klebrige Oberfläche eine homogene Verbindung mit evtl. erst später aufgetragenen Verstärkungsschichten, Versteifungsrippen o. a. Konstruktionsteilen. Auch werden getrennt hergestellte Laminathälften, wie z. B. beim Bootsbau Rumpf und Deck, so miteinander verbunden, daß über die Nahtstelle auf der rauhen und leicht klebrigen Laminatrückseite mehrere Lagen Glasgewebe oder Matte aufgetragen werden.

Soll jedoch auch die Laminatrückseite ein gutes Aussehen erhalten und farbig gestaltet werden, oder ist diese Seite besonderen mechanischen Beanspruchungen oder Witterungseinflüssen ausgesetzt, so ist es erforderlich, auch die Laminatrückseite mit einer Schutzschicht zu versehen.
Hierfür wird am besten unser Deckschichtharz ISO-Topcoat verwendet, das in seinen Eigenschaften weitgehend dem Feinschichtharz entspricht, im Unterschied zu diesem aber mit
klebfreier, mattglänzender Oberfläche aushärtet. Dieses Deckschichtharz kann ebenfalls mit ca. 10 % Farbpaste eingefärbt werden oder bei uns vorgefärbt in RAL-Farben bestellt werden.

Zu beachten ist, daß auf klebfreien, mit LT-Lack oder Deckschichtharz gestrichenen Oberflächen frisch aufgetragenes Polyesterharz ohne vorheriges Anschleifen nicht haftet!




Großflächige, glattwandige Werkstücke
Hinweise für den Bau von großflächigen, glattwandigen Werkstücken wie Verkleidungsplatten verschiedenster Art, Maschinenverkleidung, Schalttafeln, Platten für Beton- oder Holzverkleidungen, Tischplatten usw.:

In den meisten Fällen sind einfache Hartfaserplatten als Formenmaterial ausreichend. Auf eine stabile Unterlage ist unbedingt zu achten. Für Tischplatten o. ä. ergeben kunststoffbeschichtete Hartfaserplatten oder Resopal die schönsten Resultate.
Das Laminat wird, wie beschrieben, aus eingefärbter Feinschicht und den tragenden Glasfaserschichten aufgebaut. Werden keine besonderen Anforderungen an die Oberflächenqualität gestellt, und ist das Laminat keinen Witterungseinflüssen oder sonstigen Beanspruchungen ausgesetzt, kann auf die Feinschicht verzichtet und das Laminat durchgefärbt werden. Man gibt dann dem Laminierharz ca. 3 - 5 % Farbpaste zu. Für Ungeübte ist dies aber nicht zu empfhelen, da man bei eingefärbtem Laminierharz keine optische Kontrolle der Lufteinschlüsse hat. Zur Verstärkung solcher Laminate wird im allgemeinen nur die Glasmatte verwendet. Bei Verkleidungsplatten, die später auf einen festen Untergrund aufgeklebt werden sollen, genügen im allgemeinen 1 - 2 Lagen. Selbsttragende Teile werden je nach Größe meist aus 3 - 4 Lagen hergestellt. Um die Oberflächenqualität zu verbessern, kann als erstes auch eine Lage Glasseidenvlies eingelegt werden.

Bei völlig ebenen Platten ist die verhältnismäßig hohe Elastizität des glasfaserverstärkten Polyesterharzes zu berücksichtigen. 3 - 4 mm starke Platten zeigen bei Biegebelastung eine ziemlich starke Durchbiegung. Um eine möglichst hohe Steifheit zu erzielen, ist die Verwendung unserer Laminierharztype Capri Extra (leicht thixotropiert) in Verbindung mit spinngeteilten Glasmatten zu empfehlen.
Aussderdem ist es zu empfehlen, selbsttragende Platten rückseitig durch Rippen zu versteifen. Am besten haben sich Rippen aus Polyester bewährt. Zur Anfertigung dieser Polyesterversteifungen wird ein Rippenkern, der am besten aus halbiertem Deko-Rohr, aber auch aus Holz, Hartfaser, Spanplatten, Dämmpappe, halbierten Papprohren, Kunststoffrohren für Elektroleitungen o. ä., gegebenenfalls auch aus Metallprofilen oder -rohren bestehen kann, auf die letzte, möglichst noch frische Gewebeschicht aufgeklebt und anschließend noch mit einer oder mehreren Lagen Glasgewebe oder Matte überzogen. Durch den Einbau solcher Verstärkungsrippen wird eine sehr hohe Steifheit sowie eine sehr hohe Biegefestigkeit erreicht. Gleichzeitig können diese Rippen zur Verbindung der Polyesterteile mit anderen Materialien dienen. Wählt man als Kernmaterial z. B. Holz oder Stahlrohr, so lassen sich ohne Schwierigkeiten haltbare Schraubverbindungen herstellen.





Die Anfertigung glatter und gerader Laminatkanten ist im Handauflegeverfahren etwas mühsam. Man kann zwar ohne weiteres lackierte oder mit Tesafilm beklebte Holzleisten als exakte Begrenzung auf die Form aufkleben, jedoch müssen dann auch die Glasmatten sehr genau zugeschnitten werden. Deshalb verzichtet man meist auf eine exakte Umrandung der Form, stellt das Laminat etwas größer als gefordert her und schneidet das ausgehärtete Laminat mit einer Hartmetall-Säge auf die erforderliche Größe zu. Auch etwaige Bohrungen, kleinere Ausschnitte usw. werden am zweckmäßigsten nach der Aushärtung angbracht. Eine glatte und klebfreie Laminatrückseite kann bei ebenen Platten auch durch Abdecken des Laminates mit Hostaphanfolie erzielt werden.



Werkstücke mit komplizierter Formgebung

Hinweise für den Bau von Werkstücken mit komplizierterer Formgebung wie Abdeckhauben, Maschinenteile, Lüftungs- und Heizungsschächte, Gartenmöbel, Sitzschalen, Arbeitsgeräte, Dekorationsstücke, Lampenschirme usw.

Für Werkstücke mit komplizierter Oberfläche eignet sich vorwiegend Gips als Formenmaterial. Den Anforderungen und Möglichkeiten entsprechend wird man entweder gleich eine Negativform oder zunächst ein Urmodell anfertigen und davon eine Negativform abnehmen.
Letztere Methode führt meist zum besseren Ergebnis.

Bei derartigen Polyesterteilen wird meist schon durch die Formgebung die notwendige Steifheit erreicht, so daß sich Verstärkungsrippen in den meisten Fällen erübrigen. Diese Tatsache sollte man beim Entwurf einer GFK-Konstruktion immer im Auge behalten. Nur selten wird man die Form einer Metall- oder Holzkonstruktion ohne Änderungen übernehmen können. GFK besitzt gegenüber diesen Materialien u. a. den Vorteil der besseren Formbarkeit, die es ermöglicht, selbst komplizierte Teile aus einem oder wenigen Stücken herzustellen. Andererseits machen bei der GFK-Verarbeitung scharfe Kanten, Knicke und Ecken Schwierigkeiten. Mit GFK "werkstoffgerecht" zu bauen bedeutet, Kanten und Ecken zu meiden bzw. abzurunden und durch eine geschickte Formgbung eine möglichst große Steifheit zu erzielen. Nicht zuletzt kann man durch eine "werkstoffgerechte" Konstruktion beträchtlich an Material und Gewicht einsparen.


Bei der Wahl der Verstärkungsmaterialien sind nicht allein die an das Werkstück gestellten Anforderungen ausschlaggebend, sondern auch die Kompliziertheit der Oberfläche. Die preiswerte Matte paßt sich einer komplizierten Oberfläche schlechter an als Glasgewebe in Körperbindung, die tiefziehbar sind und sich daher besser verarbeiten lassen.

Oft ist es bei komplizierten Werkstücken erforderlich, entweder das Werkstück oder aber die Form zwei- oder mehrteilig zu bauen. Die Verbindung der Einzelteile erfolgt entweder durch Aufkleben von Glasseidenstreifen auf der Laminatrückseite längs der Nahtlinie oder durch Ausarbeiten eines Flansches. Dabei wird der Flansch gleich beim Laminieren hergestellt, indem man das Laminat an einer auf der Form befestigten Holzleiste o. ä. hochzieht. Nach dem Aushärten der einen Laminathälfte wird die Holzleiste entfernt, der Flanschanschluß mit Trennmitteln behandelt und das Gegenstück direkt auflaminiert. Dadurch wird ein einwandfreies Aneinanderpassen der beiden Hälften sichergestellt.




Bei der Herstellung von Sitzschalen wirkt sich die Elastizität von glasfasvererstärktem Polyester besonders günstig aus, da Polyesterstühle durch ihre federnden Rückenlehen ein angenehmes Sitzgefühl vermitteln. Für solche Schalen genügen im allgemeinen 3 - 4 Lagen Matte, vorausgesetzt, daß durch die Formgebung (etwa einem abgewinkelten 3 - 5 cm breiten Rand) die nötige Steifheit erziehlt wird. Ohne diesem umgebogenen Rand würde man wesentlich mehr Lagen benötigen.

Sitzschalen werden grundsätzlich in einer Negativform hergestellt, so daß also die spätere Sitzfläche auf der Formenseite angefertigt wird. Das Laminat wird wie üblich aus einer farbigen Feinschicht und der tragenden Schicht aus ca. 3 Lagen Matte 300 g/qm aufgebaut. Dabei arbeitet man ohne seitliche Begrenzung und bearbeitet nach der Entformung die Ränder mit der Säge und Feile. An der Unterseite der Sitzfläche werden am besten Schraubenköpfe zum Anbringen der Beine einlaminert.


Polyester ist dank seiner Vielseitigkeit auch ein ausgezeichnetes Material für Dekorationsartikel z. B. Lampenschirme, die sehr gut aussehen und viele Möglichkeiten zur dekorativen Gestaltung bieten. Es lassen sich durch Einlegen von Glasgeweben oder einer alkalihaltigen 300 g/qm schweren Glasmatte, die im Gegensatz zu den alkalifreien Glasgeweben oder Matten eine diffuse Lichtbrechnung ergibt, ferner durch Einlegen farbiger Stoffe, z. B. Rupfen oder durch Einbettung von Gräsern, Schmetterlingen, Flaschenetiketten, durch transparentes Einfärben mit ca. 0,1 - 0,2 % Farbpaste oder die Zugabe von Polyesterglitter, interessante Effekte erzielen. Für derartige transparente Teile können Sie unsere Harztype Gelcoat transparent oder Einbettungsharz verwenden.

Auch für die verschiedensten anderen Dekorationszwecke wie z. B. Schaufendsterdekoration, Schaufensterbüsten, Theaterdekorationen, Attrappen u. ä. ist Polyesterharz sehr gut geeignet. Allseitig geschlossene Hohlkörper wie. z. B. Schaufensterbüsten, Flugmodellrümpfe u. ä. müssen in zwei getrennten Formhälften hergestellt werden.



Mehrfarbige, dekorative Oberflächengestaltung
Hinweise für das Aufbringen der Feinschicht und die dekorative Gestaltung der Oberfläche

Manchmal ist es erforderlich (z. B. bei Verkehrsschildern), die Feinschicht zwei- oder mehrfarbig anzulegen. Dabei werden zunächst die dunkleren Farbtöne und nach deren Aushärtung die helleren aufgetragen. Es ist wichtig, daß die zuerst aufgetragene Farbschicht wirklich gut angehärtet ist, damit die Farben nicht ineinander verlaufen. Außerdem besteht bei einer nur angelierten ersten Schicht die Gefahr, daß sie beim Auftrag der nächsten Schichten durch das im Polyesterharz enthaltene Styrol angelöst wird und evtl. Runzeln bekommt.

Aus dem gleichen Grund sollen auch bei einfarbigen Feinschichten zu dick gestrichene Stellen nicht mehr mit dem Pinsel ausgebessert werden, wenn die Feinschicht einmal angehärtet ist, weil sonst mit Sicherheit Runzeln entstehen, während Unebenheiten auf der Feinschicht später von außen überhaupt nicht zu sehen sind. Um einen möglichst gleichmäßigen Auftrag zu erhalten, kann die Feinschicht auch zweimal gestrichen oder mit der Spritzpistole aufgetragen werden.
Ein zweimaliger Auftrag mit dem Pinsel ist nur bei sehr dicken Feinschichten (ca. 0,6 mm) zu empfehlen. Auch hierbei müssen selbstverständlich die einzelnen Schichten gut anhärten, bevor die nächsten aufgetragen werden. Beim Auftrag der Feinschicht ist ferner darauf zu achten, daß keine zu harten Pinsel verwendet werden, damit der Trennfilm nicht zerstört wird. Beim Aufkleben eines Tesafilm-Streifens für exakte Begrenzungen bei zweifarbigen Feinschichten verwendet man Trennsalbe als Trennmittel, da der Trennlackfilm beim Abziehen des Streifens leicht zerstört wird.

Für die dekorative Gestaltung der Oberfläche kommt u. a. auch das Einlegen von Stoffen oder bedruckten Faservliesen (z. B. mit Holzmaserung) in Frage. Stoffe müssen vorher auf ihre Farbechtheit und Farbwirkung hin geprüft werden und können nur für dekorative Zwecke Verwendung finden (z. B. für Verkleidungsplatten, Tabletts usw.), während speziell für die Polyesterverarbeitung geeignete Faservliese auch für stärker beanspruchte Laminate geeignet sind.

Beim Einlegen von Stoffen oder Vliesen in die Laminatoberfläche arbeitet man im allgemeinen ohne Feinschicht und durchtränkt die Stoffe oder Vliese mit dem gleichen Harz, das für den Laminataufbau verwendet wird. Eine bessere Wasser- und Witterungsbeständigkeit sowie höherer Glanz werden allerdings durch Auftragen einer dünnen Feinschicht erzielt. Hierfür wird ebenfalls normales Laminierharz verwandt, dem zusätzlich etwas Beschleuniger zugegeben wird, um die Härtung zu beschleunigen.

Ist die Feinschicht härtester mechanischer Beanspruchung ausgesetzt, so wird in die Oberfläche eine Lage Glasfaserschnitzel, aus Roving gehäckselte Glasfasern, eingstreut. Zuerst bringen Sie mit einem Pinsel die Feinschicht in der Form auf, dann sieben Sie die Schnitzel gleichmäßig auf, auch hierbei verwenden Sie das gleiche Harz wie für den Laminataufbau. Durch diese "Feinschichtverstärkung" wird die Schlag- und Abriebfestigkeit der Feinschicht beträchtlich erhöht. Das Anhärten der Feinschicht braucht nicht abgewartet zu werden; man kann also gleich "naß in naß" weiterarbeiten.

  10. August 2006
Hallo